E-Paper - 11. September 2019
St.Galler Nachrichten
E-Paper - Auswahl
E-Paper - Ansicht
 
 

Airbnb-Wohnungen: Sind sie die neue Konkurrenz für die Hotels der Region?

Von Ilaria Fosca und Ladina Maissen

Ob Apartment oder Zimmer: Übernachtungsmöglichkeiten gibt es viele. Und dies nicht nur in Hotels. Auch auf Online-Plattformen wie etwa Airbnb können zu gutem Preis-Leistungs-Verhältnis Unterkünfte in der Region gebucht werden. Doch ruiniert das nicht die herkömmliche Hotellerie?

Region Rund 1000 Airbnb-Wohnungen werden im Kanton St.Gallen derzeit vermietet. Sprich: Leute vermieten ihre Wohnung an Feriengäste. Und die Anzahl steigt. Einer aktuellen Statistik zufolge soll der Kanton St.Gallen schweizweit den grössten Zuwachs in den vergangenen sieben Monaten erlebt haben: 30 Prozent. Für Thomas Kirchhofer, dem Direktor von St.Gallen-Bodensee Tourismus, ist klar: «Gemessen an der Anzahl der Objekte ist Airbnb auf dem Ostschweizer Home-Sharing Markt sicherlich ein wichtiger Anbieter.» Allerdings sei zwingend zu berücksichtigen, dass dieselben Angebote auf mehreren Plattformen gleichzeitig vertrieben werden. «Etwa fünf bis zehn Prozent werden erfahrungsgemäss über andere Vertriebsplattformen wie Casamundo, HomeAway und Booking.com vermittelt.»

Städte bald Freiluftmuseen?

«Zurzeit ziehen die Leute nicht zu Gunsten der Wohnungsvermietung aus dem Zentrum», so Thomas Kirchhofer. Sollte das Angebot der Airbnb-Wohnungen in den nächsten Jahren weiterhin ansteigen, seien die Innenstädte bestimmt nicht mehr gleich lebendig. «Diese Entwicklung wäre vor allem dann fatal, wenn der Anstieg sich derart auswirkt wie in Barcelona, San Francisco oder Palma. In der Ostschweiz ist die Gefahr dafür sehr gering.»

Konkurrenz und Chance zugleich

Thomas Kirchhofer sieht durch das steigende Angebot von Airbnb eine erfreuliche Entwicklung für den Tourismusmarkt. Allerdings soll diese neue Herausforderungen bringen: «Airbnb konkurrenziert die klassische Hotellerie vor allem in städtisch geprägten Tourismusregionen», erläutert Kirchhofer.

Dennoch ist er der Meinung: «Airbnb verfügt über grosses Potenzial es trifft genau den Zeitgeist von Markt und Nachfragern. Es spricht eine internationale Zielgruppe an, in der sie zunächst Einzelreisende, aber mehr und mehr nun auch Familien im Fokus hatte.» Besondere Merkmale dieser Zielgruppe seien, dass besonders die Privatreisenden eher jung als alt, tech-affin und reiselustig seien und gerne Geld sparen würden. «Doch dem gegenübergestellt sind auch die Geschäftsreisenden stark im Wachstum, die mit der Nutzung von Airbnb-Angeboten Leistungen geniessen, die sie in Hotels nicht vorfinden können oder bemängeln, wie beispielsweise eine natürliche Umgebung, in der nichts gekünstelt ist oder eine Herzlichkeit sowie Unkompliziertheit, die von den Gastgebern ausgeht, um eine gute Bewertung zu erhalten.»

Schattenseiten zeigen sich

Nichtsdestotrotz gebe es Kirchhofer zufolge auch Gefahren. «Zweckentfremdung von Wohneigentum, Einhalten von Vorschriften und weiteren Rahmenbedingungen, gleich lange Spiesse für alle Beherberger diesen Schlagworten ist besondere Beachtung zu schenken.» Ebenfalls ein grosses Thema im Bezug zu Airbnb-Wohnungen sind die Tourismus-Abgaben. Denn wer bezahlt die Kurtaxen? So ist in politischen Gemeinden des Kanton St.Gallens, welche von touristischer Bedeutung sind, die Abgabepflicht gesetzlich geregelt.

Fehlende Abgaben der Anbieter

«In 19 Gemeinden gibt es Gästetaxengesetze. Das hat die Regierung durch eine Verordnung bestummen», so Kirchhofer. In diesen Gemeinden seien kommerzielle Beherbergungsleistungen abgabepflichtig. «Viele Airbnb-Vermieter sind sich dessen bewusst und melden sich auch freiwillig bei uns oder den Behörden.» Somit würden die Taxen nur dann bezahlt werden, wenn sich die Vermieter freiwillig bei der zuständigen Inkassostelle melden oder diese auf die Vermietung aufmerksam werden.

Anders sieht das im konkreten Fall der Stadt St.Gallen aus. Sie ist eine dieser 19 Gemeinden, die Gästetaxengesetze hat. «Die Anbieter von Zimmern, vor allem Airbnb-Zimmern, sind verpflichtet, ihr Angebot der lokalen Tourismusorganisation zu melden. Die Einforderung der Gasttaxe wird dann ebenfalls von der Tourismusorganisation verantwortet», so Kirchhofer. Der Anreiz bestehe insofern darin, dass nur diejenigen Anbieter ihren Gästen ein gratis ÖV-Ticket anbieten können, welche auch Gasttaxen bezahlen.

Dennoch würden längst nicht alle Abgaben erfasst: «Von rund 180 Airbnb-Angeboten konnten nur gerade knapp zehn Prozent der Abgaben erfasst werden.»

Im Kanton Thurgau gibt es kein Tourismusgesetz, wodurch die rechtliche Grundlage für Verträge mit Online-Plattformen fehlt.

St.Galler Nachrichten vom Mittwoch, 11. September 2019, Seite 5 (12 Views)

ZURÜCK ZUR SEITE

 
 

<   September   >
Mo Di Mi Do Fr Sa So
            1
2 3 4 5 6 7 8
9 10 11 12 13 14 15
16 17 18 19 20 21 22
23 24 25 26 27 28 29
30