E-Paper - 04. September 2019
Gossauer Nachrichten
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Von Tobias Baumann

Celine Weil gewann an den Nachwuchs Schweizermeisterschaften vier Medaillen. Davor hatte die 16-jährige Schwimmerin in diesem Jahr bereits zwei Medaillen bei den Aktiven geholt. Vor allem mit dem Gewinn der Bronzemedaille an der Langbahnmeisterschaft über 1'500 Meter Freistil überraschte die junge Athletin alle.

Schwimmen Normalerweise kann die Drittplatzierte eines Schwimmfinals anschliessend die Bronzemedaille entgegennehmen. Nicht so an den diesjährigen Langbahnmeisterschaften. Über die 1'500 Meter Freistil wurden keine Qualifikationsdurchgänge für den Final durchgeführt, sondern jene acht Athletinnen mit den schnellsten gemeldeten Zeiten in den finalen Durchgang eingeteilt, während alle anderen in sogenannten Vorläufen an den Start gehen mussten. Logischerweise kommen die Medaillengewinner normalerweise aus dem Finaldurchgang, schliesslich muss eine Schwimmerin die nicht zu den besten Acht gehört, ihre Zeit enorm verbessern, um den Finalistinnen gefährlich zu werden. Doch genau dies gelang der Gossauerin Celine Weil, als sie zum ersten Mal überhaupt an den nationalen Langbahnmeisterschaften antrat. Nach ihrer hervorragenden Leistung aus dem Vorlauf konnte sie am Beckenrand zuschauen, wie nur zwei Finalistinnen die 30 Bahnlängen schneller absolvierten. «Deshalb ist diese Medaille für mich emotional mein bisher grösster Erfolg und noch mehr wert als die Silbermedaille von Lancy», erklärt die 16-Jährige.

Schnell in allen Disziplinen

In Lancy bei Genf klassierte sich Weil an der Sommer-Schweizermeisterschaft über 800 Meter Freistil bei der Elite auf dem zweiten Rang. Die beiden Medaillen bei den Aktiven hätten sicher den höheren Stellenwert als jene, die sie auf Juniorenstufe gewann, analysiert Weil. Und für die Zukunft hat die Athletin, die ihre Karriere beim Schwimmclub Flipper startete, klare Ziele: «Natürlich möchte ich dereinst bei nationalen Meisterschaften ganz zuoberst auf dem Treppchen stehen», so die Nachwuchsathletin, die zwischen sechs und sieben zweistündige Trainings pro Woche absolviert. Am ehesten könne sie dies wohl in ihren Lieblingsdisziplinen 800m und 1500m Freistil oder 400m Lagen erreichen, schätzt die vielseitige Athletin, die zu Beginn der jungen Karriere vor allem im Brustschwimmen mit schnellen Zeiten glänzte, sich danach aber auch in der Crawl- und Rückentechnik stark verbesserte. «Am meisten Steigerungspotenzial habe ich sicher noch in der Disziplin Delphin», erklärt Weil, die ihre Vielseitigkeit mit dem Gewinn der Goldmedaille über die Lagenstrecke, die alle vier Disziplinen beinhaltet, in diesem Sommer an der Nachwuchs Schweizermeisterschaft eindrücklich unter Beweis gestellt hat.

Vom regionalen ins nationale Schwimmkader?

Neben konkreten Rangierungen wie einem Sieg an nationalen Elitewettkämpfen setzt sich die Inhaberin der Talent Card von Swiss Olympic auch klare Ziele, was ihre Zeiten angeht. «Ich möchte von Jahr zu Jahr schneller werden und möglichst bald Aufnahme in die nationalen Schwimmkader finden», erklärt Weil, die aktuell dem Regionalkader Ostschweiz angehört. «Über 200m Brust fehlen mir aktuell noch vier Sekunden, über 1'500m Freistil deren 30», so Weil. 30 Sekunden über die Langdistanz, die sie bisher kaum je an Wettkämpfen absolviert hat, seien sicherlich noch rauszuholen, so die Einschätzung ihrer Trainer Gabriel Schneider und Silvio Kopf. Um ihre hoch gesteckten Ziele zu erreichen, besucht die Gossauerin aktuell vier Trainings des Schwimmclubs Herisau und zwei des Schwimmvereins St.Gallen-Wittenbach (SVSW), wobei die beiden Vereine eine Partnerschaft in der Nachwuchsförderung verbindet, so dass das Nachwuchstalent für beide Clubs an Wettkämpfen teilnehmen kann. In Zukunft startet Weil allerdings nur noch für St.Gallen-Wittenbach. Es ist der nächste logische Schritt in der Entwicklung der jungen Athletin, kann sie doch beim SVSW, dem regionalen Stützpunkt von Swiss Swimming, mit einer der besten Trainingsgruppen der Mittel- und Langstreckenschwimmer der Schweiz trainieren. Der SVSW berät sein Elitekader, in das Weil Aufnahme gefunden hat, ausserdem bei Fragen zur sportlichen Karriereplanung. Headcoach Gabriel Schneider ist verantwortlich für die Jahresplanung und die Einteilung der Trainingseinheiten.

Lehre bei Swiss Olympic Partner

Wie es weitergeht mit der Karriere hängt auch davon ab, wie gut die Nachwuchssportlerin die Doppelbelastung mit Beruf und Sport verträgt, hat sie doch vor kurzem ihre Lehre bei der Kantonalen Verwaltung von Appenzell Ausserrhoden begonnen. Ihr Arbeitgeber ist Swiss Olympic Partner und gestattet der jungen Schwimmerin für Wettkämpfe im Ausland oder Trainingslager zusätzliche «Ferientage». Eine ähnliche Regelung hatte Weil schon in den letzten drei Jahren als Schülerin am Oberstufenzentrum Buechenwald. Dank einer Fördervereinbarung wurden Absenzen für die Sportausübung toleriert, wobei Weil den verpassten Schulstoff selbstständig vor- oder nachholen musste. Dank dem grossen Trainingsaufwand kann die junge Athletin inzwischen bereits in einzelnen Wettkämpfen mit der nationalen Elite mithalten, international ist das Niveau aber nochmals weit höher. Die Schweiz ist im Schwimmsport trotz der WM-Silbermedaille, die Jérémy Desplanches kürzlich holte, weit weg von den führenden Nationen. Deshalb möchte die junge Athletin auch nicht von Zielen wie Medaillen an internationalen Wettkämpfen sprechen. «Zumindest noch nicht», wie sie lachend anfügt.

Gossauer Nachrichten vom Mittwoch, 4. September 2019, Seite 24 (23 Views)

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