E-Paper - 28. August 2019
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Alt-Ramschwag: Sanierung dringend, um Einsturzgefahr zu bannen

Von Franz Welte

Die Ruine Alt-Ramschwag an der Sitter in Häggenschwil kann nur noch auf eigene Gefahr betreten werden. Ein Mauerteil ist abgesperrt und das Betreten des näheren Umfelds ist aus Sicherheitsgründen verboten. Eine Sanierung ist dringend, auch um weitere Schäden zu vermeiden, doch für die Gemeinde als Besitzerin ist diese nach dem ursprünglichen Kostenteiler zu teuer.

Burganlage Vor einigen Jahren löste sich bei der wichtigsten Burganlage zwischen Fürstenland und Bodensee ein rund zwanzig Kilogramm schwerer Steinbrocken aus dem Mauerwerk und fiel aus fünf Metern Höhe auf den Boden direkt vor den Eingang. Verletzt wurde niemand, die Ruine blieb für einige Zeit dennoch vorsichtshalber vollständig gesperrt, heute wird der Zugang wieder ermöglicht allerdings gemäss Plakat «unter eigener Gefahr». Als Ursache für den Steinschlag wurde Regenwasser vermutet, das gefror und dann wieder taute. Der Stein konnte sich so aus dem zementhaltigen Mörtel lösen. Verboten ist dagegen der Zutritt zur westlichen Mauer, die wegen der Gefahr niederfallender Steinbrocken vollständig abgesperrt ist.

Lange Schadenliste

Experten untersuchten das Gemäuer genau und erstellten eine lange Liste von Schäden, die als Folge der Verwitterung entstanden sind: Bröckeliger Mörtel, Hohlräume im Mauerwerk, lose Steinbrocken, ein teilweises unsicheres Fundament, ganze Mauerpartien, die sich ablösen. Die Sanierungskosten belaufen sich auf rund 750‘000 Franken. Kanton und Bund würden 60 Prozent übernehmen. Doch die Investition bleibt für die Gemeinde trotzdem sehr hoch, obwohl Rückstellungen gebildet worden sind. An einer Informationsveranstaltung der Gemeinde Häggenschwil gab es Opposition aus der Einwohnerschaft. Es wurde argumentiert, es handle sich hier bloss um einen «alten Steinhaufen», den man einfach verrotten lassen könne. Doch viele sind anderer Auffassung und möchten, dass das Wahrzeichen der Gemeinde als Kulturgut erhalten werden sollte. Natürlich auch die kantonale Denkmalpflege. Aber es gibt auch einen touristischen Aspekt. Die Ruine in der schönen Sitterlandschaft wird häufig aufgesucht und beliebt sind auch die Feuerstellen, wo grilliert werden kann.

Der Häggenschwiler Gemeindepräsident Hans-Peter Eisenring erklärt auf Anfrage, dass eine Publikation über die künftige Lösung aus seiner Sicht verfrüht wäre. Es könne noch nichts dazu gesagt werden. Immerhin lässt er uns wissen, dass er zuversichtlich sei, eine für die Gemeinde finanziell tragbare Sanierungslösung zu finden und diese umzusetzen.      

Schon früh unbewohnbar

Die Burg wurde schon früh unbewohnbar. Zunächst zeigte sich ein Riss über dem Torbogen. Der Besitzer drohte, «den Turm in die Sitter hinunter zu sprengen», um endlich Ruhe zu bekommen vor den Schädigungen, die ihm jugendliche Ruinenbesucher bereiteten.  1911 kam die Liegenschaft auf die Liste der schwer gefährdeten Ruinen.

So wurde sie zur Rettung schliesslich durch den Architekten Müller aus Häggenschwil und Baumeister Thaler aus Waldkirch gekauft. Beide waren Mitglied im schweizerischen Burgenverein. Bei der Sicherung der Ruine konnten sie auf Unterstützung durch den schweizerischen Burgenverein zählen. Bei der Grabung nach Steinen zur Ausbesserung der schadhaften Mauern kamen Fundamente von bis anhin unbekannten Wohn- und Ökonomie-Gebäuden zum Vorschein. Während der Arbeiten wurden Steinkugeln, Pfeilspitzen, Beschläge, Ofenkacheln, Gefässscherben und Tierknochen gefunden. Die Ausgrabungs- und Konservierungsarbeiten dauerten von 1930 bis 1932 und kosteten annähernd 20‘000 Franken. Teuerungsbereinigt entspricht dies einer Summe von rund 130‘000 Franken. Beiträge leisteten Bund, Kanton, Historischer Verein und drei Privatpersonen. 2013 verkaufte die Bauunternehmerfamilie Thaler die Ruine mit 6000 Quadratmeter für 35‘000 Franken an die Gemeinde Häggenschwil.      

Burggeschichte 

Zur Entstehung der Burg führt der «St.Galler Burgenvater» Gottlieb Felder (»Die Burgen der Kantone St.Gallen und Appenzell») aus, dass architektonische Merkmale wie beispielsweise der einfache Kantenschlag auf eine Erbauung der Burg kurz nach 1200 nach Christus hindeuten. Dafür spricht auch die Anfügung der Ringmauer, welche im gleichen Arbeitsgang ausgeführt worden ist.

Im Jahr 1176 erscheint in einer Konstanzer Urkunde zum ersten Mal ein Ulrich de Rammiswag. Die erste urkundliche Erwähnung der Burg fällt in das Jahr 1370, als Rudolf von Rosenberg-Zuckenriet, der 1398 das Bürgerrecht der Stadt St.Gallen erwarb, die Burg durch Heirat erhielt. Die vorherigen Besitzer der Burg waren Dienstleute der Äbte von St.Gallen. Es ist davon auszugehen, dass sich die Ramschwager eine Rodungsherrschaft errichteten. Zu jener Zeit befanden sich das Land Appenzell und die Stadt St.Gallen mit der Abtei St.Gallen und Österreich im Krieg. Durch seine neutrale Haltung konnte Rudolf von Rosenberg-Zuckenriet seinen Besitz und somit auch die Alt-Ramschwag vor Zerstörung schonen. Die meisten anderen Burgen in der Region wurden damals völlig zerstört.

Im Jahre 1427 verkaufte Rudolf von Rosenberg-Zuckenriet die Burg an Ulrich und Burkard von Helmsdorf, süddeutsche Adelige, welche im Thurgau grossen Besitz hatten. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts litt die Burg unter Erdrutschen. Sie war von nun an nur noch unter Gefahren bewohnbar und erfüllte ihren ursprünglichen Zweck nicht mehr. Sie wurde deshalb mit anderen Gütern an den Bauern Hans Rudolf Koller verkauft. Dieser trug das Holzwerk ab, welches von den Chorherren von Bischofszell zum Wiederaufbau ihres durch Appenzeller zerstörten Schlösschens Hohenzorn verwendet wurde.

Ursprünglich eine Zugbrücke

Der Zutritt zur Burg erfolgte ursprünglich über eine Zugbrücke, die sich über den Graben im Osten der Burg spannte, aber im Gegensatz zum Tor nicht mehr erhalten ist. Ursprünglich existierten zwei weitere Gräben, die heute nicht mehr sichtbar sind. Die Mauer wurde aus Steinen aus der nahen Sitter gebaut. Der Bergfried konnte über die Nordwand durch einen Hocheingang mit standsteinernem Rundbogen betreten werden. Auf gleicher Höhe, ungefähr acht Meter über dem Boden, befindet sich ein ehemals gekoppeltes Rundbogenfensterchen. Darunter liegen Luftschlitze, welche mit horizontalen Sandsteinplatten abgedeckt wurden.  Der Burghof war von allen Seiten durch eine Ringmauer geschützt, die heute zum Teil in die Sitter abgestürzt ist. Gegen Osten hin ist die Burg durch eine rund zehn Meter hohe Schildmauer geschützt. Heute lassen sich noch Fundamentmauern von Wohn- und Ökonomiegebäuden feststellen.            

Gossauer Nachrichten vom Mittwoch, 28. August 2019, Seite 27 (31 Views)

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