E-Paper - 10. Juli 2019
St.Galler Nachrichten
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Begehrenswerte Boutique-Town

St.Gallen sei eine «begehrenswerte Boutique-Town mit Geschichten und viel Flair für das Schöne  im Leben.» So stellen Thomas Kirchhofer, Direktor von St.Gallen-Bodensee Tourismus, und Tobias Treichler, Vizedirektor, St.Gallen vor im neuen Guide-Magazin «612» mit nicht weniger als 96 Seiten. Hochglanz-Magazine haben allen Unkenrufen zum Trotz offensichtlich nicht ausgedient.

612 Der Titel des Heftes «612» als Gründungsjahr der Stadt St.Gallen ist der Ausgangs- und Orientierungspunkt für das Tourismus-Heft. Es werden auch 612 Tipps- und Ideen publiziert, was in und um St.Gallen entdeckt werden kann. Das Motto lautet «Grenzenlos». Es wird auf dem Titelblatt vor blauem See und blauem Himmel genannt. Es könnte der Bodensee sein. 

«Textilland» im Vordergrund

Begonnen wird hier nicht wie üblich mit dem Weltkulturerbe, sondern mit der St.Galler Textilgeschichte. Das ist gar nicht so schlecht. So wird die textile Vergangenheit durch den Stiftsbezirk nicht  - wie leider häufig von Beginn an an den Rand gedrängt, sondern erhält diesmal oberste Priorität. Richtigerweise wird die Gegenwart nicht ausgeblendet,  hat das renommierte Modelabel Akris doch Weltruhm erlangt. Originell wie immer führt Monika Kritzmöller durch das «Textilland».

Die vielen Tipps- und Ideen stammen meist nicht von St.Gallen-Bodensee Tourismus, sondern von der St.Galler («Cervelat»-)Prominenz. Wie heute üblich in der Werbung und im Journalismus, wird  eben auch St.Gallen personifiziert. Mit von der Partie bei der Entdeckungstour ist natürlich Walter Eggenberger, der «Zeigefinger der Nation».

Dem Theater St.Gallen wird internationale Ausstrahlung zuerkannt. Natürlich kommen auch hier im Rahmen der Personifizierung Ensemble-Mitglieder zu Wort. Kunst und Künstler nehmen ebenfalls einigen Raum ein.

Das kulinarische Angebot

«Wir schmeicheln nicht, wir flattieren» meint Kaffee-Zelebrierer und SP-Stadtparlamentarier Gallus Hufenus zur St.Galler Eigenart. Er hat Recht, wenn er betont, eine Gesellschaft brauche drei Generationen, um ein Trauma (Textilkrise) zu überwinden. Jetzt sei es an der Zeit, Leidenschaft gegenseitig in uns zu wecken…

Natürlich fehlt auch das «erste öffentliche Wohnzimmer der Schweiz», der Rote Platz nicht, wird aber nicht in den Vordergrund gerückt, sondern ist einer von vielen Kulturtipps. Das «Schoggi-Schlaraffenland» von Maestrani erhält ebenfalls den ihm zustehenden Platz, obwohl es heute in Flawil angesiedelt ist.

Wer kreative Küche sucht, findet ebenfalls Beispiele, wobei nicht ersichtlich ist, ob es sich um  bezahlte Werbung oder redaktionelle Freiheit handelt. St.Gallen bekommt auch das Attribut eines  «Bier-Mekkas», gefolgt von einem Loblied auf den Rheintaler Wein und einer abendlichen Beizen-Tour, die auch zu neun Lokalen im «Bermuda-Dreieck» führt. Mit Walter Eggenberger geht es in die als mystisch bezeichnete Mülenen-Schlucht und hinauf auf Dreiweieren. Doch auch die weitere Umgebung findet Aufnahme, insbesondere natürlich das sanktgallische Bodensee-Gebiet, das zur Destination gehört. Auch Wandervögel kommen auf ihre Rechnung. Keine Attraktion in der Region wird unterschlagen, zumindest kurz erwähnt. Natürlich kann man sich die Frage stellen: «Was bringt’s?» Da viele Sponsoren genannt werden, darf davon ausgegangen werden, dass die Herstellungskosten zu verkraften sind. Alle, die auf moderne Art Tipps zu Stadt und Region St.Gallen geliefert haben möchten, kommen auf ihre Rechnung. Kurz: Auch totgesagte Tourismus-Werbemittel leben länger… we

St.Galler Nachrichten vom Mittwoch, 10. Juli 2019, Seite 3 (8 Views)

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