E-Paper - 26. Juni 2019
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Zuhause sterben - ein häufiger Wunsch

Von Rebecca Schmid

Viele möchten Zuhause sterben können und ihre letzten Tage nicht in einem Spital oder einem Pflegeheim verbringen. In der Realität ist dies nur wenigen möglich. Der Hospiz-Dienst St.Gallen ermöglicht eben das und bietet die Begleitung Schwerkranker und Sterbender an. Elena Kangsar durfte während der Begleitung ihres Vaters auf die Hilfe des Hospiz-Dienstes zählen.

Palliative Care Während den letzten Tagen begleiteten freiwillige Mitarbeiter des Hospiz-Dienstes St.Gallen Elena Kangsar und ihren Vater. «Wenn die Begleiter die Wohnung betraten, war es für mich als kämen Engel herein», erinnert sie sich. Es sei eine riesen Erleichterung gewesen, die Sicherheit zu haben, dass stundenweise jemand bei ihrem Vater und bei ihr ist. Auch wenn sich die Personen immer abwechselten, hätten sie doch etwas gemeinsam gehabt. «Alle strahlten eine grosse Ruhe aus und zeigten gegenüber mir und meinem Vater grossen Respekt.»

Sich Zeit nehmen

Zurzeit sind etwa achtzig Personen für den Hospiz-Dienst St.Gallen im Einsatz. «Wir suchen immer weitere Begleiterinnen und Begleiter, die sich dieser Aufgabe annehmen», sagt Regina Hanspeter-Kurz, die Geschäftsstellenleiterin. Eine Person übernehme circa zwei bis drei Einsätze pro Monat. Die Motivation, diese Aufgabe zu übernehmen, ist von Begleitung zu Begleitung eine andere. Jedoch gebe es einige Punkte, die bei vielen der Freiwilligen zutreffen.

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«Oft ist es so, dass die Leute sich sagen, mir geht es so gut und ich möchte nun etwas zurückgeben. Viele kommen auch aus dem Gebiet der Pflege und möchten sich einfach die Zeit nehmen, sich um Menschen zu kümmern, einfach für sie da sein zu dürfen.» Weiter gebe es auch einige Personen, deren Angehörige begleitet wurden und die selbst nun auch anderen die letzten Tage im Eigenheim ermöglichen wollen.

Aufnahmeverfahren

Die freiwilligen Begleitpersonen durchlaufen ein Aufnahmeverfahren, welches unter anderem aus einem Schnuppertag auf der Palliativstation des Kantonsspitals St.Gallen oder im stationären Hospiz, einem Kurzpflege-Praktikum und einem Grundkurs besteht. Absolviert werden die Einsätze bei den Menschen zu Hause, in Spitälern, Heimen und im stationären Hospiz St.Gallen. «Die Freiwilligen erhalten keinen Lohn, sind aber auf Spesen für die Anreise, Supervision und Weiterbildung angewiesen», so Hanspeter-Kurz. Finanziert wird der Hospiz-Dienst St.Gallen aus Spenden, Beiträgen der Stadt und der Partnerorganisationen. Dennoch sind die Ressourcen knapp.

Was der Sterbende braucht

«Ich möchte, dass auch andere Angehörige von der Begleitung und der Betreuung des Hospiz-Dienstes profitieren können», sagt Elena Kangsar. Sie wisse nicht, wie sie die schwere Zeit ohne diese Hilfe überstanden hätte. Für sie sei es gewesen, als hätte sie Ferien, wenn sie durch die freiwillige Hospitz-Person begleitet wurde. Ein sehr eindrückliches Bild sei, wie die Freiwilligen einfach stundenlang nur bei Kangsars Vater gesessen haben und ihm Gesellschaft leisteten. Regina Hanspeter-Kurz sagt dazu, dass die Begleitung jeder Person ganz individuell verlaufe. «Die Begleiterinnen und Begleiter versuchen immer zu spüren, was der Sterbende oder der Erkrankte gerade möchte oder braucht. So zum Beispiel vorlesen, spazieren gehen oder einfach da sein. Dies haben unsere Leute dann auch ermöglicht.»

Elena Kangsar möchte anderen Personen Mut machen, ihren Angehörigen das Sterben im vertrauten Zuhause zu ermöglichen. Es sei nicht einfach, eine geliebte Person so nahe zu begleiten, aber mit den richtigen Personen vom Hospiz-Dienst im Boot fühle man sich sicher und unterstützt. «Ich habe meinem Vater versprochen, dass er Zuhause bleiben kann und ich bin froh, dass ich dies geschafft habe.» Die Stimmung sei friedlich und ruhig, wenn die Begleitperson anwesend sei und das sei für die sterbende Person sowie die Angehörigen eine grosse Entlastung.

St.Galler Nachrichten vom Mittwoch, 26. Juni 2019, Seite 1 (10 Views)

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