E-Paper - 12. Juni 2019
Gossauer Nachrichten
E-Paper - Auswahl
E-Paper - Ansicht
 
 

Fluch oder Segen?

Von Marc Ferber

Zur Zeit wird weltweit ein neuer Mobilfunkstandard eingeführt: 5G was für «fifth Generation» steht. Im März wurde auch in Gossau, ohne grosse Aufmerksamkeit zu erregen, eine bestehende 4G-Antenne auf den neuen Standard aufgerüstet.

Lindenberg Thomas Egger aus Gossau schreibt in einem Leserbrief erbost von einer «klammheimlichen Aktion». Da es sich um eine «Bagatelländerung» handle, brauche es keine Baubewilligung, erklärt Martin Simon, Fachspezialist für nichtionisierende Strahlung beim kantonalen Amt für Umwelt. Die Auswirkungen der Strahlenbelastung von 5G sind derzeit ein grosses Thema. So auch in der Region. Vor allem, da es noch keine Langzeitstudien über die Grenzwerte von 5G gibt. Aktuell wird in der Schweiz auf einem 4G-Netz gesurft und telefoniert. 5G soll die Datenübertragungsraten deutlich verbessern. So würde sich zum Beispiel ein hochauflösender Spielfilm in unter einer Minute aufs Handy herunterladen lassen. Keine Notwendigkeit für die Menschheit. In ländlichen Gegenden hingegen führt das schnelle Glasfasernetz oft nur bis zur Anschlusszentrale im Dorf. Den restlichen Weg müssen die Daten über das langsame Kupferkabel zurücklegen. So möchten Mobilfunkanbieter Haushalten mit schlechter Anbindung ans Festnetz schnelles Internet über den Mobilfunk bringen.

Angst vor Gesundheitsproblemen

Die neuen Frequenzen unterscheiden sich kaum von den heute üblichen. Somit ändert sich die Strahlenbelastung mit 5G zunächst nur wenig. Die neuen Frequenzen wurden dazu bereits vom Bund für die Übermittlung von Radio- oder Fernsehsignalen eingesetzt. Einige Kantone wie Genf und Waadt haben ihre Regierung im April aber trotzdem dazu aufgefordert, ein Moratorium für die Installation von 5G-Antennen auf Kantonsgebiet zu erlassen oder zumindest zu prüfen. Denn vor allem im Bereich der hohen Frequenzen gibt es erst wenige Forschungsergebnisse. So auch zum Einsatz der sogenannten Kleinzellen. Diese können bei 5G nebst den klassischen Mast- oder Dachantennen als Sendeanlagen eingesetzt werden. Zwar ist ihre Sendeleistung niedriger, die Kleinzellen jedoch deutlich näher an den Personen dran wie zum Beispiel angebracht an einer Bushaltestelle. Dazu muss noch geprüft werden, wie sich die Strahlenbelastung bei der «Mimo-Technik» auf Menschen auswirkt. Bei 5G-Basisstationen mit adaptiven Antennen wird der Strahl nämlich direkt auf den Nutzer ausgerichtet. Bis jetzt ist noch nicht klar, wie man diese Strahlenbelastung messen kann. Zweifelsfrei belegt hingegen ist die Erwärmung von Gewebe durch die elektromagnetische Strahlung. Sprich: Das Ohr kann beim Telefonieren mit dem Handy wärmer werden. Wegen den Bedenken, ob die Grenzwerte zum Strahlenschutz mit einem geplanten 5G-Netz eingehalten werden können, wurde in Brüssel ein Pilotprojekt gestoppt. Auch in der Schweiz formt sich Widerstand gegen das Netz. Was viele aber nicht wissen: Über 90 Prozent der aufgenommenen Mobilfunkstrahlung stammen nicht von den Sendeanlagen, sondern vom eigenen Handy. Umweltepidemiologe Martin Röösli rät, das Mobiltelefon nur bei guter Verbindungsqualität zu nutzen und eine Freisprechanlage zu verwenden. So könne wenigstens eine maximale Exposition verhindert werden.

Ein weiteres Problem

Die Anforderungen an die 5G-Netzwerke sind höchst komplex. So benötigen diese eine wöchentliche Software-Aktualisierung. Zeitlich ist es nicht möglich, dass Softwaretestzentren diese Versionen regelmässig sowie vollständig prüfen. Und dabei alle Sicherheitsaspekte überwachen. So wird befürchtet, dass relativ einfach Hintertüren für die heimliche Kommunikation geöffnet werden könnten, was zum Beispiel Cyperspace-Spionage ermöglichen würde. «De Füfer und s’Weggli» bekommt man bekanntlich selten. So sieht es auch beim Mobilnetz aus.

Gossauer Nachrichten vom Mittwoch, 12. Juni 2019, Seite 17 (17 Views)

ZURÜCK ZUR SEITE

 
 

<   Juni   >
Mo Di Mi Do Fr Sa So
          1 2
3 4 5 6 7 8 9
10 11 12 13 14 15 16
17 18 19 20 21 22 23
24 25 26 27 28 29 30