E-Paper - 10. April 2019
Gossauer Nachrichten
E-Paper - Auswahl
E-Paper - Ansicht
 
 

Inflation und Zinsen bleiben tief, Wachstum schwächt sich ab

Von Tobias Baumann

Am Freitag luden die Generalagenturen Appenzellerland und St.Gallen bereits zum siebten Mal zum sogenannten Unternehmeranlass der Swiss Life. Chefökonom Marc Brütsch gab spannende Einblicke in die zu erwartende wirtschaftliche Entwicklung, Patrick Barblan, Leiter Kundenbetreuung Sammelstiftungsgeschäft, in den Wandel der beruflichen Vorsorge.

Freihof Über 100 Unternehmerinnen und Unternehmer waren der Einladung der Generalagentur Appenzellerland ans Unternehmerfrühstück in Gossau gefolgt. Im Vorfeld der beiden Fachreferate überbrachte Stadtpräsident Wolfgang Giella die Grussworte des Stadtrates: «1'269 Unternehmen bieten in Gossau über 12'000 Arbeitsplätze. Wir tun als Stadt alles, dass es unseren Unternehmen gut geht», nutzte Giella die Veranstaltung für ein Standortmarketing und meinte augenzwinkernd, noch gebe es bei der Swiss Life ja keine Generalagentur Gossau.

Geringe Inflationsgefahr

Mark Brütsch, Chefökonom der Swiss Life und schon mehrfach als Redner am Unternehmeranlass in Gossau zu Gast, referierte anschliessend zum Thema «Rezession oder Inflation worauf sollten wir uns vorbereiten?» Eigentlich seien in diesem Referatstitel ja gleich zwei Fragen verpackt, bemerkte Brütsch einleitend, wobei jene nach der Inflation von der Schweizerischen Nationalbank vor zwei Wochen ja beantwortet worden sei. Bis 2021 erwarte diese keine Inflation über 1,5 Prozent, die Prognose der Swiss Life Ökonomen falle sogar noch ein wenig tiefer aus. «Wir erwarten bis 2021 keine Inflationsraten über einem Prozent und damit weitgehend Preisstabilität», so Brütsch. Die Inflationsgefahr sei gering.

Sanfte Landung des Wachstums

Für die Beantwortung der Frage nach einer möglichen Rezession blickte der Chefökonom der Swiss Life erst über den Atlantik und zeigte auf, dass die USA aktuell gerade den längsten Aufschwung in der Geschichte erleben. Mit der Betrachtung des Einkaufsmanagerindex' leitete er nach Europa und in die Schweiz über. Dieser Index sei aktueller als eine Betrachtung des Bruttoinlandproduktes und einfach zu lesen: «Jeder Wert über 50 signalisiert Wachstum, jeder darunter eine Rezession. Aktuell befinden wir uns in der Schweiz genau an der Grenze», so Brütsch. Allerdings gelte dies nur für den Industriesektor, während der Dienstleistungssektor und der private Konsum das Wachstum immer noch stützten. Dieses falle gemäss Prognosen der Swiss Life in diesem Jahr mit einem Prozent allerdings deutlich geringer aus als 2018 mit 2,5 Prozent. «Wir erwarten eine sanfte Landung des Wachstums, aber keine Rezension. Den Preis für die Vermeidung einer solchen bezahlen wir in Form der Negativzinsen», zog Brütsch als Fazit.

Kapital vs. Verpflichtungen

Danach machte Patrick Barblan, Leiter Kundenbetreuung Sammelstiftungsgeschäft bei Swiss Life, eine Auslegeordnung des Geschäfts mit der beruflichen Vorsorge und zeigte auf, dass insbesondere im Geschäft der Vollversicherungen eine starke Konzentration auf inzwischen nur noch fünf Anbieter stattgefunden hat. Während in diesem Modell die Anbieter sämtliche Risiken tragen, wird dieses bei den sogenannt teilautonomen Lösungen auf alle Beteiligten verteilt. «Dafür bestehen bei diesen Lösungen mehr Freiheiten in der Anlagestrategie», erklärte Barblan. Mit verschiedenen Szenarien zeigte er in der Folge auf, wie der Deckungsgrad unter Druck geraten kann: «Auf der einen Seite steht das vorhandene Kapital, auf der anderen Seite die Verpflichtungen gegenüber den Rentnern und den Aktiven. Wenn das Kapital sinkt oder die Verpflichtungen steigen, entsteht eine Unterdeckung.»

System braucht eine Reform

Dazu könne beispielsweise eine schlechte Performance des Aktienmarktes führen, die das Kapital senke oder zu hohe Leistungsversprechen an die Rentner, welche die Verpflichtungen wachsen liessen. Mit dem aktuellen gesetzlichen Umwandlungssatz von 6,8 Prozent für den obligatorischen Teil und der steigenden Lebenserwartung erhielten die jetzigen Rentnerinnen und Rentnern zu hohe Leistungen, da im aktuellen Tiefzinsumfeld die für diese Rentenversprechen nötigen Renditen auf dem Kapital nicht zu erzielen seien. «Das führt zu einer Reduktion der Reserven und schliesslich zu einer Umverteilung zuungunsten der Aktiven», so Barblan. Das System brauche dringend eine Reform, ansonsten sei es nicht mehr finanzierbar. Die Politik habe sich des Problems angenommen, doch bis zu einer allfälligen Abstimmung dauere es mit Vernehmlassungen und Entscheidungen im Parlament sicher noch seine Zeit, schloss der Leiter Kundenbetreuung Sammelstiftungsgeschäft.

Anlass im Hotel Oberwaid

Nach kurzen Dankesworten von Jürg Renggli, Swiss Life-Generalagent Appenzellerland, gingen die Besucherinnen und Besucher der Veranstaltung weiter an den Frühstückstisch. Auf die beiden Referenten wartete dagegen gleich der nächste Unternehmeranlass. Über Mittag durften sie gemeinsam mit Fabian D’Atri, Swiss Life-Generalagent in St.Gallen, im Hotel Oberwaid in St.Gallen weitere Unternehmerinnen und Unternehmer begrüssen.

Gossauer Nachrichten vom Mittwoch, 10. April 2019, Seite 21 (15 Views)

ZURÜCK ZUR SEITE

 
 

<   April   >
Mo Di Mi Do Fr Sa So
1 2 3 4 5 6 7
8 9 10 11 12 13 14
15 16 17 18 19 20 21
22 23 24 25 26 27 28
29 30