E-Paper - 05. Dezember 2018
St.Galler Nachrichten
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O Du trashige

Von René Alder

Nun ist wieder Krippenzeit, die klassischen Motive sind seit Kindheitstagen sattsam bekannt. Weihnachten ist längst zum Verkaufsfaktor geworden und das wird in einem ganz besonderen Krippenspiel in der «Macelleria d`arte» in St.Gallen schonungslos aufgedeckt. Eine Gruppe von Kreativen um den Galeristen Francesco Bonnano hat die Weihnachtsgeschichte neu interpretiert.

Macelleria d arte Und es ist eine bitterböse Konsumkritik geworden. Maria und Josef in der Krippe in der Regel ein erlauchter Anblick, doch hier will das mit dem Heiligen irgendwie nicht aufgehen. Josef ist als Bauarbeiter mit oranger Jacke und bayrischer Lederhose eine freie Interpretation des Zimmermanns, doch Maria fällt nun völlig aus der Rolle. Sie zeigt sich als Society-Dame mit Handy und topgestylter Aufmachung. Die beiden sitzen inmitten von Original St.Galler Papierabfall da wird einem auch der eigene Briefkasten bewusst, der gerade in dieser Zeit ohne Stopp-Kleber regelrecht zugemüllt wird. Jeder will ein Teil vom Kuchen, jeder will etwas verkaufen in einer Zeit, in der das Portemonnaie bei den Menschen am Lockersten sitzt. Das wissen die Marktforscher, das wissen die Unternehmen. Auch Hilfswerke melden sich zu Dutzenden. So wird die mannigfaltige Weihnachtspost zum Sammelsurium der Kuriositäten.

Maria wirkt wie eine «Trash-Queen» im wahrsten Sinne des Wortes. Heute ist sie in asiatischer Variante da, vom ersten bis zum vierten Advent wird das jeweils gewechselt, insgesamt fünf Marias werden bis zum Dreikönigstag in der Krippe zu finden sein. Das Ganze wirkt billig bis zum Gehtnichtmehr, und genau das ist der Sinn: Weihnachten hat mit Sicherheit seinen traditionellen Hei-

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St.Galler Nachrichten vom Mittwoch, 5. Dezember 2018, Seite 1 (12 Views)

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